Winter? Nein danke.

Ich gebe zu, der Winter kann manchmal ganz schön deprimierend sein. Wenn es draußen so richtig kalt, grau und dunkel ist, wünschst du dir dann auch nur noch dein Sofa und deine Lieblingsdecke herbei? Hast du im Winter auch häufiger schlechte Laune und fühlst dich demotiviert und müde? Hast du schon einmal vom Winterblues gehört?
Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass du im Winter antriebsloser sein kannst, denn in der dunklen Jahreszeit produzierst du mehr Melatonin und das macht dich müde und träge. Das fehlende Sonnenlicht sorgt zudem dafür, dass das Glückshormon Serotonin nicht so lange im Körper gehalten werden kann. Die Folge: Du bist antriebslos, müde und bekommst vielleicht sogar Heißhungerattacken. Es kann allerdings auch so weit führen, dass die Symptome sich kaum noch von einer Depression unterscheiden lassen und deshalb spricht man in diesem Zusammenhang auch von einer saisonalen Depression bzw. der seasonal affective disorder (SAD).* Mehr Müdigkeit, Stimmungsschwankungen und auch Demotivation können in der Winterzeit allerdings durchaus normal sein, hinzukommt, dass sich das Jahr langsam dem Ende neigt und zum Jahresende meist eh die Luft bei vielen raus ist.
Was hilft also, um dem Winterblues zu trotzen? Die Antwort ist so einfach, wie (Achtung Wortwitz) einleuchtend: Licht. Logisch wäre, möglichst viel Zeit draußen zu verbringen, doch wenn es kalt und ungemütlich ist, bleibt wahrscheinlich jeder lieber dort wo es warm und kuschelig ist.

Eine Frage der Prioritäten

Damit du in der dunklen Jahreszeit trotzdem noch etwas vom Tag hast, könntest du natürlich täglich eine gewisse „Sonnenlichtzeit“ einplanen, vielleicht sogar mit Hilfe von Zeitmanagementsystemen, dich also an einem festen Tagesplan orientieren, d.h. Freiräume für Spaziergänge und Sport im Sonnenlicht einplanen usw. Ich halte allerdings nicht viel von übergestülpten Zeitmanagementsystemen, weil ich aus eigener Erfahrung und auch aus meiner Coachingpraxis weiß, dass jeder anders ist und ein festes System meist nicht sonderlich gut zu den Bedürfnissen eines jeden Einzelnen passt. Sicher gibt es Menschen, die es lieben zu planen und deswegen gerne mit Zeitmanagementsystemen arbeiten, allerdings glaube ich, dass es vielmehr darauf ankommt, welche Prioritäten du hast und welche grundlegenden Motive dich antreiben. Ist dir Gesundheit und Bewegung schon immer wichtig gewesen, wirst du wahrscheinlich kein Problem damit haben, Sport in deinen Alltag zu integrieren. Bist du vielleicht eher der Familienmensch, ist ein Spieleabend im Kreise deiner Liebsten wahrscheinlich genau das Richtige für dich. Es ist deshalb enorm wichtig, deine eigenen Prioritäten zu kennen und zu wissen, was dich motiviert und dieses mit deinen Gewohnheiten zu verbinden.

Gewohnheiten lassen sich nur schwer ändern.

Im Winter sind die Tage ziemlich kurz, deswegen kann es nicht das Ziel sein, noch mehr Aufgaben und Termine in deinen Alltag zu integrieren. Es ist viel leichter, deine schon bestehenden Gewohnheiten beizubehalten und sie zu ergänzen, zum Beispiel mit „Sonnenlichtzeit“. Das Treffen mit einem Kollegen oder mit Freunden kann auch kurzerhand ein kleiner Spaziergang an der frischen Luft sein. Die Mittagspause kann auch mal auf der Parkbank stattfinden und der Weg zur Arbeit kann zu Fuß zurückgelegt werden, genauso ist es möglich, das Auto weiter weg zu parken oder eine Station früher an der Haltestelle auszusteigen. Ein kleiner Einkauf kann auch problemlos zu Fuß erledigt werden, wenn der Supermarkt nicht allzu weit weg ist.

Den eigenen Schweinhund kennen

Achte hier vor allem auch auf deinen inneren Schweinhund. Merkst du, dass du nachmittags schwer zu motivieren bist, ist vielleicht die Mittagspause im Sonnenlicht oder der morgendliche Weg zur Arbeit eine gute Variante. Ich gehe wahnsinnig gerne in den Abendstunden joggen, weil ich aber weiß, dass ich mich im Winter abends nur schwer motivieren kann, lege ich meine Joggingrunde zunehmend in meine Mittagspause, weil dort das Sonnenlicht am intensivsten ist. Hier habe ich den Vorteil, dass ich Freiberuflerin bin. Wenn ich eine kurze Pause von der Arbeit benötige, drehe ich lieber eine kleine Runde um den Block, anstatt meine Zeit mit Facebook und Instagram zu verbringen. Zudem habe ich das feste Ritual, den Tag mit meinem Mann bei einem Spaziergang auszuwerten. Wenn ich mich mit Freunden treffe, verabrede ich mich immer häufiger zu einem Spaziergang an der frischen Luft. Was kannst du miteinander verbinden?

Akzeptieren, dass wir nicht immer etwas leisten müssen

Was ich aber noch viel wichtiger in der Winterzeit finde, ist, die eigene Einstellung zu hinterfragen. Wer sagt denn, dass wir immer leistungsfähig sein müssen? Es ist der natürliche Lauf der Dinge, dass wir im Winter, aufgrund des Lichtmangels, weniger motiviert und vielleicht auch eher müde sind. Warum ignorieren wir diese Signale des Körpers? Warum sehen wir das nicht als Chance, mal früher ins Bett zu gehen? Die Bücher zu lesen, die schon lange auf einen warten? Mit Freunden ins Kino zu gehen? Abends gesund zu kochen? Oder endlich die Mittagspause mit einem Spaziergang zu verbinden? Es ist zwar einfacher die Aufmerksamkeit auf das zu richten, was wir im Winter alles nicht tun können, aber mit Sicherheit macht es glücklicher, sich auf die Chancen, die der Winter mit sich bringt, zu konzentrieren. Es ist deshalb auch eine Frage der Einstellung, wie wir den Winter sehen. Der Winter kann eine Zeit der Einkehr, der Erneuerung und der Möglichkeiten sein, in der man sich um die Dinge kümmert, für die man zuvor vielleicht zu busy war. Denn am Ende hat die Akzeptanz dessen, was ist, und die Rücksichtnahme auf den eigenen Körper, auch mit der Liebe zu sich selbst zu tun. Und wenn du das nächste Mal übellaunig bist, weil es dunkel, grau und hässlich draußen ist, ist es vielleicht auch ein Zeichen dafür, dass es Zeit ist, dich um dich selbst zu kümmern und dir etwas Gutes zu tun. Die Herangehensweise ist deshalb: Je mieser deine Laune, desto mehr solltest du dich um dich selbst kümmern.

Ich wünsche dir eine tolle Winterzeit, in der sich viele Chancen für dich bieten. Und vielleicht heißt es ja dann: Winter? Ja, bitte!

*Ich bin Coach und kein Psychotherapeut. Ich stelle keine Diagnosen. Die hier beschriebenen Tipps können helfen, dein Wohlbefinden zu verbessern und sind Anregungen, die auf eigener Erfahrung und Coachingmethoden beruhen. Kleinere Stimmungsschwankungen und Trägheitsgefühle können im Winter durchaus normal sein. Solltest du dich seit Längerem, antriebs- und lustlos fühlen, dich zunehmend zurückziehen und traurig sein, dann suche bitte einen Arzt oder Psychotherapeuten auf oder melde dich beim psychosozialen Krisendienst in Dresden.